Einleitung

Heute beschäftigen wir uns mit der Mitel MiVoice Office 400 und Microsoft Teams direct routing im Verbund. Wie Sie vielleicht wissen haben wir Anfang 2020 auf unserem Blog angekündigt, dass die TwinCap First AG ab sofort als Bakom registrierter Fernmeldedienstanbieter (FDA), sprich SIP Provider zugelassen ist. Diesen Schritt haben wir bewusst gewählt, damit wir unseren Kunden Lösungen aus einer Hand anbieten können. Konkret geht es um das gesamte Office 365 & Teams Ökosystem:

  • CSP Lizenzen, also Microsoft Lizenzen zu günstigen Konditionen und ohne Kreditkarte
  • den für Microsoft Teams Direct Routing benötigten Session Border Controller
  • sowie Telefonnummern, SIP Trunks & Gesprächs Abos (Flat oder nach Tarif)

Teams und Mitel MiVoice Office 400

Die Teams direct routing Lösung passt „out of the box“ sehr gut für Unternehmen, welche vorwiegend im Büro an Computern arbeiten und nicht zwingend ein Tischtelefon oder ein DECT Funktelefon benötigen. Microsoft Teams bietet keine Möglichkeiten für die direkte Integration von Legacy Systemen. Gemeint sind vorhandene DECT- oder Notruftelefone oder Totmanneinrichtungen. Somit bleiben Branchen wie Industrie, Handel, Gesundheitswesen oder andere Firmen, welche auf solche Werkzeuge angewiesen sind, aussen vor. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie wir den nächsten natürlichen Schritt gegangen sind, und eine klassische PBX Umgebung in eine Office 365/Teams direct routing Lösung eingebunden haben. Als Basis diente eine Mitel MiVoice Office 400 Anlage, eine der am meisten genutzten Anlagen in der Schweiz.

Das Ergebnis

Zusammen mit den Spezialisten der Firma T&N Telekom & Netzwerk AG haben wir einen Proof of Concept durchgeführt. Wir haben Teams im Parallelbetrieb mit einer Mitel MiVoice Office 400 genutzt. Eine solche Konstellation bietet nicht nur Investitionsschutz, sondern gleich das Beste aus beiden Welten. Die bestehende DECT Infrastruktur kann ohne Problem weiter betrieben und genutzt werden und Mitarbeiter im Büro müssen nicht auf moderne Funktionen wie Online Meetings, Screen-Sharing oder Team Kollaboration verzichten.

Wir haben uns dazu entschieden den «Cloud Only Approach» für den SBC (Session Border Controller) weiter zu verfolgen und die Mitel MiVoice Office 400 einfach an unseren bestehenden Managed SBC angeschlossen. Dies vereinfacht auch zukünftige Migrationsszenarien, falls der Parallelbetrieb von Anfang an nur für eine befristete Migrationsphase geplant wird.

Challenge mit der Mitel MiVoice Office 400

Die grösste Challenge dabei war die fehlende NAT (Network Address Translation) Funktionalität der Mitel Anlage. D.h. die Mitel MiVoice Office 400 kann nicht damit umgehen, dass sich der SBC nicht im selben Netz befindet. Als Lösung dafür haben wir ein VPN (Virtual Private Network) von unserem Router zu Azure gebaut. Etwas das mit fast jedem bestehenden Router bewerkstelligt werden kann.

Technisch sieht das ganze folgendermassen aus:

Proof of Concept Mitel MiVoice Office 400

Aufbau der Mitel MiVoice Office 400 Verbindung über den SBC zu Microsoft Teams.

Das Ergebnis

Die Vernetzung der Mitel MiVoice Office 400 Anlage mit Teams über den SBC funktioniert sehr gut. Am Ende des Tages konnten wir alle Funktionen nutzen, welche man von einer Telefonanlage erwarten würde, auch wenn es sich dabei im Prinzip um zwei komplett verschiedene Systeme und Technologien handelt. Dank spezifischen Routen ist es möglich, das Teams Benutzer via Kurzwahl oder Rufnummer von der Mitel MiVoice Office 400 aus und umgekehrt, angerufen werden können. Ja, wir konnten sogar Kurzwahlnummern auf dem SBC definieren um vom Teams Client aus einen Teilnehmer der Mitel MiVoice Office 400 Anlage mit nur zwei Ziffern zu erreichen. Der ganze Vorgang funktioniert ohne das Verlassen der eigenen bzw. der managed Infrastruktur und verursacht somit keine Gesprächsgebühren, da ein Anruf von der Mitel MiVoice Office 400 zu Teams oder umgekehrt zu keinem Zeitpunkt das öffentliche Telefonnetz erreicht.

Selbstverständlich ist es auch möglich von Teams, wie auch von der Mitel MiVoice 400 aus, externe Anrufe zu empfangen oder zu tätigen. Auch Weiterleitungen an eine Handynummer, welche auf einem Mitel Telefon oder im Teams Client eingerichtet wurden, funktionieren wie erwartet. Wie sieht es mit erweiterten Funktionen wie Transferieren (mit und ohne Rückfrage), lokalen 3er Konferenzen und Voicemail aus? Auch das hat alles mit internen, zwischen Teams und Mitel MiVoice Office 400 internen und externen Anrufen ohne Weiteres funktioniert.

Routing

Technisch gesehen, gibt es nur einen SIP Trunk für beide Systeme. Jede Anlage hat aber Ihre eigenen Nummernbereiche. Anhand dieser Ranges wird also bei eingehenden Anrufen bestimmt, ob ein Anruf zur Mitel MiVoice Office 400 oder zu Teams geroutet wird. Genau gleich funktioniert dies bei ausgehenden Anrufen. Ist die gewählte Nummer Teil eines Ranges, wird der Anruf intern zwischen PBX und Teams geroutet. Nur externe Anrufe ausserhalb der beiden Ranges werden über den SIP Provider gelotst.

Die Mitel MiVoice Office 400 unterstützt «OneNumber» d.h. man kann die Anlage so konfigurieren, dass Anrufe einer bestimmten Nummer immer auf mehreren Geräten klingeln. In unserem Test sind wir von einem Teams Benutzer ausgegangen, welcher zusätzlich ein DECT Telefon besitzt. Anrufe welche auf einem der beiden Geräte abgenommen werden, erscheinen auf dem anderen Client nicht als verpasster Anruf. Zusätzlich zur Telefonnummer wird bei eingehenden Anrufen auch die SIP ID bzw. der Name der anrufenden Person angezeigt, auch wenn diese vom anderen System stammt.

Matrix mit Szenarien 

Die folgende Grafik zeigt einen Überblick über die verfügbaren Features und die erfolgreich getesteten Szenarien.

Mitel MiVoice Office 400 verfügbare Funktionen mit Teams

Tabelle zur Darstellung der möglichen Funktionen welche zwischen einer Mitel MiVoice Office 400 und Microsoft Teams funktionieren.

Limitationen

Da es sich um komplett unterschiedliche Systeme handelt, gibt es leider immer noch kleinere Limitationen. So kann z.B. auf einem Endgerät der Mitel MiVoice Office 400 keine Teamtaste eingerichtet werden, welche anzeigen würde, ob sich ein Teams Benutzer gerade in einem Gespräch befindet oder nicht. Damit die Signalisierung und die Audiostreams zuverlässig funktionieren, müssen sich der Session Border Controller und die PBX entweder im gleichen Netzwerk befinden oder es muss ein VPN zwischen dem PBX Standort und dem SBC, in unserem Falle Azure, aufgebaut werden. Auch das Thema Presence ist natürlich nicht gelöst, was aber zu erwarten war.

Grundsätzlich ist diese Lösung, wie bei unserer herkömmlichen Teams Direct Routing Lösung, mit jedem beliebigen SIP Provider möglich. Dabei ist zu beachten, dass unterschiedliche SIP Provider auch unterschiedlich ausgebaute technische Lösungen voraussetzen. Wir haben diesen Proof of Concept mit einem unserer eigenen TwinCap First SIP Trunks getestet.

Wir danken der dem Team von T&N Telekom & Netzwerk AG für die gute Zusammenarbeit.